von hitze, hürden und historischen steinen
Wie eingangs beschrieben, lassen wir das Auto mehrheitlich stehen. Gestern Abend haben wir es für heute um 10:30 Uhr bestellt. Wir warten draussen, aber es kommt nicht.
Ein Mitarbeiter, der aussieht, als wäre er für das Valet Parking zuständig, stellt sein Auto auf dem kleinen Parkplatz vor dem Hotel ab, geht hinein, kommt wieder heraus und fährt mit einem E-Trottinett davon. Wir fragen bei der Rezeption nach unserem Auto.
„Drei Minuten“, bekommen wir zur Antwort.
Also begeben wir uns wieder nach draussen. Tatsächlich kommt kurz darauf der Mann von vorhin mit unserem Fiat angefahren. Er lädt sein E-Trottinett aus und übergibt uns total verschwitzt den Schlüssel.
Unser erstes Ziel ist der Monte Toro. Mehrere Parkplätze sind frei – zumindest die in der Sonne. Die Schattenplätze sind begehrter. Es ist sehr heiss, und schon das Laufen unter der Sonne strengt an.
Etwas kühler ist es im Santuari Monestir del Toro und im Restaurant, wo wir uns erfrischen, bevor wir nach Es Mercadal fahren. Reiner parkiert, aber wir steigen nicht einmal aus. Uns fehlt schlicht die Lust, bei dieser Hitze das Städtchen zu erkunden.
Anders beim Cap de Favàritx. Das Thermometer zeigt 37 Grad, gefühlt 41. Trotzdem steigen wir aus. Wir wissen, dass wir zum Leuchtturm laufen müssen, aber zwei Kilometer? Wir marschieren los. Nach einem halben Kilometer stelle ich fest, dass ich den Hinweg zwar noch schaffen sollte, den Rückweg aber wohl nicht mehr. Die Sonne knallt einfach zu heftig. Also kehren wir zum klimatisierten Auto zurück und fahren nach Fornells, der Heimat der Langustenfischer.
Die Parkplatzsuche gestaltet sich etwas schwieriger, aber wir werden fündig. Ein furchtbarer Durst plagt uns. Den möchten wir in einem der zahlreichen Restaurants stillen, doch solo para beber – nur zum Trinken – ist nicht. Wir müssten comer, also essen, und das möchten wir nicht. Das Frühstück ist schliesslich noch nicht lange her.
In einem Imbiss erbarmt sich schliesslich jemand und meint, wir dürften selbstverständlich bloss etwas trinken. Wir bestellen einen eisgekühlten Softdrink. Noch einen. Und schwitzen vor uns hin. Doch nicht nur wir sind klatschnass, auch die anderen Gäste kämpfen mit den Temperaturen.
So macht Sightseeing keinen Spass.
Trotzdem wollen wir wenigstens eine der vielen historischen Stätten besichtigen und geben „Torrellafuda“ ins Navi ein. Auf dem leeren Parkplatz stellen wir das Auto unter einem grossen Baum ab und machen uns auf den Weg zur ehemaligen talayotischen Siedlung.
Ihr Beginn wird auf etwa 1000 bis 700 Jahre vor Christus geschätzt. In den 1960er-Jahren wurde sie teilweise ausgegraben. Forschungen ergaben, dass Torrellafuda zuletzt im 1. Jahrhundert nach Christus bewohnt war.
Als Erstes kommen wir zu einem grossen Talayot, einem Beobachtungsturm. Der kegelstumpfförmige Turm wurde in Zyklopen-Technik errichtet und könnte neben seiner Funktion als Wachturm und zur Kommunikation mit den Nachbarsiedlungen auch als Getreidespeicher gedient haben.
Besonders faszinierend finde ich die Überreste des Taula-Heiligtums und einen kleinen, perfekt erhaltenen Wandpfeiler. Die Ureinwohner meisselten damals eine präzise Vertiefung in den horizontalen Deckstein, sodass dieser auch nach fast drei Jahrtausenden noch bombenfest und wie angegossen auf seiner Steinsäule ruht. Ein echtes Meisterwerk antiker Handwerkskunst.
Wir verlassen das Gelände tief beeindruckt. Während der Rückfahrt in die Touristenhotspots denken wir darüber nach, was für eine unglaubliche Geschichte diese Insel hat.