Sonnenfinsternis auf Menorca
Sonnenfinsternis auf Menorca

sonnenfinsternis auf menorca

In diesem Reisebericht zeige ich Dir, welche Strapazen wir auf uns genommen haben, um die totale Sonnenfinsternis 2026 mit eigenen Augen zu erleben.

das virus

Im Süden Arizonas herrscht echte Wildwest-Atmosphäre. Nach einer Schiesserei in Tombstone – eine Nachstellung wohlverstanden – haben wir im Mai 2022 das Glück, eine totale Mondfinsternis beobachten zu dürfen. Das war die erste Begegnung mit dem Virus.

Im darauffolgenden Jahr schlägt es wieder zu: Eine ringförmige Sonnenfinsternis im Monument Valley wird zum Highlight unseres Roadtrips. Nun sind wir definitiv infiziert. Wann und wo gibt es die nächste Sonnenfinsternis?

Bereits im August 2026 soll der Mond die Sonne komplett verdecken - und das von Island bis Spanien. Perfekt – oder doch nicht? In Galicien ist die Wahrscheinlichkeit für bewölkten Himmel hoch (von Island reden wir schon gar nicht), in Valencia und auf den Balearen ist es im August unerträglich heiss und voll. Mallorca zur Hauptsaison wollen wir uns nicht antun. Also entscheiden wir uns für die kleine Schwester: Menorca.

Die Insel bietet historische Stätten der prähistorischen Talayot-Kultur, herrliche Strände und hoffentlich einen Platz in der ersten Reihe für das grosse Ereignis. Kultur, Strandferien und Sonnenfinsternis – klingt nach einem ziemlich guten Plan.

vorbereitung

Viel gibt es nicht vorzubereiten. Flug und Unterkunft buchen, die Unterkunft vom günstigen Apartment zum sündhaft teuren Hotel umbuchen, Auto reservieren und recherchieren. Sonnenfinsternisbrille und Schutzfolie für das Kameraobjektiv sind noch vorhanden.

Der Sommer in Basel ist heiss, sehr heiss. Wie wird das erst auf Menorca sein? Noch mehr Sorgen machen mir allerdings die vielen Touristen und die Parkplatzsituation. Reiner beruhigt mich: Er sieht kein Problem.

ankunft

Pünktlich um 04:45 Uhr bringt uns der freundliche Uber-Fahrer zum EuroAirport. Der Check-in-Bereich von EasyJet ist inzwischen vollautomatisch. Trotzdem brauchen wir die Hilfe einer Mitarbeiterin, denn mein Koffer weigert sich, das akzeptierte Gewicht einzuhalten. Die Waage beim Automaten zeigt 18,3 kg an, die Waage bei der Gepäckabgabe ebenfalls. Trotzdem behauptet der Automat hartnäckig, das Gewicht habe sich verändert, und verweigert die Annahme. Die Mitarbeiterin korrigiert es kurzerhand manuell auf 17 kg – und schon verschwindet der Koffer auf dem Rollband.

 

 

 

 

 

 

 

Das halbleere Flugzeug hebt ein paar Minuten vor der Zeit ab und landet nach nicht einmal zwei Stunden in Mahón. Meine Uhr zeigt 21 Grad an. Angenehm. Huch – das ist noch die Anzeige von Basel. Die Realität sieht anders aus: Schon um 09:00 Uhr haben wir gegen 30 Grad, gefühlt 33.

Alles geht sehr schnell, nur auf das Gepäck warten wir ewig. Aber wir haben Ferien und sind entspannt. Da sich am Europcar-Schalter niemand hinter uns einreiht, plaudern wir mit dem netten Mitarbeiter über die Sonnenfinsternis. Er hat an diesem Nachmittag frei und bereits eine Reservation in einem Beach House im Westen der Insel.

Dann übernehmen wir unseren kleinen weissen Fiat 600, den wir schon bald liebevoll die Pelotilla – Kügelchen – taufen. Er soll uns die nächsten Tage über die Insel kutschieren. Für das Gepäck müssen wir die Sitze herunterklappen – unser ganzes Hab und Gut liegt damit ziemlich offensichtlich im Kofferraum. Deshalb wollen wir das Auto nicht lange unbeaufsichtigt stehen lassen.

Wir frühstücken in Sant Climent, decken uns mit Wasser ein und fahren zum Hotel. Dort haben wir zunächst keine Chance, einen Parkplatz zu finden. Ich befürchte schon, dass nun der Alptraum losgeht. Doch das Hotel bietet Valet Parking an, was wir dankend annehmen. Das bedeutet zwar einen gewissen Verlust an Flexibilität: Eine Stunde vor der gewünschten Abholzeit müssen wir unser Auto anmelden, und fürs Parkieren gibt es Blockzeiten. Dafür sind wir die Sorge los, keinen Platz für unsere Pelotilla zu finden.

 

 

 

 

 

 

Für unser Zimmer sind wir noch zu früh, aber das Gepäck sind wir los und können zum ersten Mal die Insel erkunden. Wir fahren Richtung Westen und checken schon einmal ab, wo wir uns für die Finsternis platzieren könnten. Beim Far d’Artrutx meinen wir, unseren Platz gefunden zu haben. Am Passeig Marítim gibt es Parkplätze. Früh genug da sein und den Tag in Cala en Bosc verbringen – der Plan nimmt Formen an.

Nach ein paar Tapas auf einer Terrasse bei 37 Grad, gefühlt wie 80, sind wir verschwitzt und träumen von einer erfrischenden Dusche. Der Traum erfüllt sich schliesslich in Zimmer 747 des ARTIEM Audax in Cala Galdana.

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Vom Balkon blicken wir auf den zweistöckigen Pool, der gut besucht ist. Ob wir da wohl auch einmal baden werden? Oder sind die Liegestühle bereits frühmorgens belegt?

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sonne, strand und meehr

Wir überqueren den Barranc d’Algendar über die Pont Cala Galdana, nicht ohne vorher noch ein Foto aus der Bucht heraus zu schiessen, und landen wenige Minuten später an der Playa de Cala Galdana.

Wir sind früh dran und haben freie Auswahl bei den Liegestühlen. Über den feinen Sand wagen wir uns ins kühle Nass. Kühl? Keine Spur! Während unseres Aufenthalts hat das Meer zwischen 29,3 und sage und schreibe 30 Grad – Rekord! So warm war es nicht einmal auf den Malediven.

Besonders gut gefällt mir, dass kein Steinchen die Füsse beim Gehen im feinen Sand stört, das Meer so schön warm ist (auch wenn ich weiss, dass das ökologisch weniger schön ist) und der Blick auf die Felsen, die die Bucht flankieren.

Aber – es gibt auch ein Aber: Es wird voll.

Gegen Mittag spielen Kinder und Erwachsene mit einem Ball, die Bademeister pfeifen, weil sich Personen im Ein- und Ausfahrtsbereich der Wasserfahrzeuge befinden oder weil ein Pedalo in Form eines Drachens oder Autos sich seinen Weg durch die badenden Gäste bahnen will.

Morgens ist das Wasser noch glasklar. Doch mit den vielen Füssen wird immer mehr Sand aufgewirbelt. Am Ende ist das Wasser so trüb, dass man den Boden nicht mehr sehen kann.

Blick auf die Bucht von Cala Galdana

Cala Galdana

Cala Galdana

 

 

 

 

das hotel vom balkon bis zum pool

Morgens wache ich immer früh auf und geniesse die Ruhe auf dem Balkon, während Reiner noch seinen Träumen nachhängen darf. Ich beobachte den Gärtner beim Pflanzengiessen, den Techniker beim Reinigen des Pools, eine Katze, die auf leisen Sohlen am Pool entlangbalanciert, vereinzelte Personen, die den Sonnenaufgang bewundern, und ganz selten jemanden, der bereits Strandtücher platziert oder ein paar Längen schwimmt.

Wenn die Sonne beginnt, an Kraft zu gewinnen, ist es Zeit fürs Frühstück. Wir haben die Auswahl zwischen dem Restaurante Oliva und dem Restaurante Galdana. Bis auf einmal beginnen wir den Tag stets im Oliva, weil es bereits um halb acht Gäste empfängt. Das Galdana öffnet eine Stunde später, schliesst dafür aber auch eine Stunde später.

Es gibt alles, was das Herz begehrt, inklusive Live-Cooking-Station. Trotzdem fehlt mir das gewisse Etwas, das Besondere, das Menorca ausmacht. Vielleicht ist es auch das Ambiente oder die Grösse, die mich etwas überfordert. An der Herzlichkeit des Personals kann es jedenfalls nicht liegen – die ist einmalig.

Am Pool selbst ist es bis mittags kein Problem, freie Liegen und Sonnenschirme zu finden. Am unteren, grossen und tiefen Pool, der sich gut zum Schwimmen eignet, gibt es sehr viele Liegeplätze. Fast ebenso viele gibt es im oberen Bereich, wo der Pool zum Relaxen einlädt. Es kann gesprudelt werden, oder man legt sich bäuchlings auf den Rand und schaut auf den unteren Pool, während das Wasser als kleiner Wasserfall vom oberen in den unteren plätschert.

Einen dritten Liegebereich auf dem Dach haben wir nicht besucht. Der gehört den Rauchern – es ist der einzige Ort im Hotel, an dem geraucht werden darf.

Eigentlich hätte ich nicht erwartet, dass wir uns je im Poolbereich aufhalten würden. Aber die Ruhe ist so angenehm, dass es doch öfters vorkommt als gedacht. Meist sieht man dieselben Personen an denselben Plätzen. Mehrfach platziert sich ein Paar aus Österreich hinter uns. Deutsch hört man dagegen kaum. Umso präsenter sind Französisch, Italienisch und Spanisch – sowohl in Cala Galdana als auch in unserem Adults-only-Hotel.

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Sonnenaufgang vom Balkon (ARTIEM Audax)

Pomada (ARTIEM Audax)

Sonnenaufgang vom Balkon (ARTIEM Audax)

Frühstück mit Lebensmotto von Menorca (ARTIEM Audax)

Früher Morgen auf dem Balkon (ARTIEM Audax)

Blick auf den Pool am frühen Morgen (ARTIEM Audax)

 

tapas, fisch und eine caldereta de langosta

Unseren ursprünglichen Plan, zum Abendessen verschiedene Orte anzufahren, lassen wir fallen. Zu mühsam erscheint es uns, jedes Mal unsere Pelotilla an der Rezeption zu ordern und anschliessend auf einen Parkplatz zu hoffen. Deshalb beehren wir die Restaurants, die wir zu Fuss erreichen können.

Allen voran das Restaurante & Tapas Alaska, in dem wir gleich mehrmals einkehren. Die Tapas-Karte ist dreispaltig, wobei die dritte Spalte die Spezialitäten auflistet. Wir essen uns einmal quer durch die Karte: Pulpo a la plancha, Gambas al Ajillo, Mejillones de Menorca a la plancha, Cebolla rellena de carne, Lomo con col, Flor de alcachofa con queso Mahón, Croquetas de Jamón Ibérico, Croquetas de Gorgonzola y nueces, Croquetas de Berenjena y queso de cabra, Croquetas de Espinacas, Ensaladilla rusa und Hígado a la plancha. Allein beim Aufzählen läuft mir schon wieder das Wasser im Mund zusammen. Zum Dessert gibt es Bananenkuchen – und von dem brauchen wir unbedingt das Rezept!

Ebenfalls gerne gehen wir ins Can Toni, und dort hat es uns allen voran Belinda angetan. Aber nicht nur sie ist eine aufmerksame Bedienung, auch das ganze Team versteht es, Hand in Hand zu arbeiten und die Gäste zu verwöhnen.

Beim ersten Besuch teilen wir uns eine Paella de marisco. Schon die Präsentation der grossen Pfanne ist wundervoll, aber der Geschmack erst! Leider ist die Portion viel zu gross und ich verlasse das Lokal hoffnungslos überessen. Für ein Dessert ist beim besten Willen kein Platz mehr.

Dasselbe passiert uns beim Arroz negro, einem Reisgericht, das ebenfalls in der Paellapfanne zubereitet und serviert wird. Seine schwarze Farbe verdankt es der Tintenfischtinte.

Beim dritten Besuch gönnen wir uns Fisch. Für Reiner gibt es Combinado: Sepia, Gallo de San Pedro und Merluza. Ich entscheide mich für Bacalao con costra de frutos secos. Reiner bekommt Kartoffeln und Gemüse dazu, auf meinem Kabeljau mit der Kruste aus Trockenfrüchten und Nüssen liegen frittierte Zwiebeln, daneben gibt es Gemüse und zwei Pürees. Ein Gedicht!

Ein paar Minuten länger brauchen wir zu Fuss zum Restaurant Cala Mitjana. Kurz nach halb acht sind wir da und damit die ersten Gäste. Bald schon füllt sich das Restaurant. Wir einigen uns auf den Pescado del día, einen Wolfsbarsch. Die Bedienung zerteilt den Fisch routiniert und legt Reiner und mir je die Hälfte auf den vorbereiteten Teller mit Kartoffeln und Gemüse. Was für ein Genuss!

Wir reservieren gleich einen Tisch, denn wir wollen hier unbedingt die menorquinische Spezialität Caldereta de Langosta probieren. Die im Vorfeld getätigte Reservation im Es Cranc in Fornells - angeblich gibt es dort die beste Caldereta - stornieren wir kurzerhand und schlagen ein paar Tage später wieder im Restaurant Cala Mitjana auf.

Wir werden lautstark begrüsst: Gabriela hier, Gabriela da, Gabriela dort … Das ganze Restaurant kennt inzwischen meinen Namen.

Wir fragen nach der Caldereta de Langosta. Der Kellner – oder ist er der Besitzer des Restaurants? – kann uns mit dem Preis nicht schocken. Wir wissen schliesslich, dass man mit Langusten kein Schnäppchen macht.

Die Brühe ist sehr intensiv, die Languste etwas fest. Trotz richtig gutem Werkzeug, also einer Zange, die mit der Kruste des Tieres bestens zurechtkommt, tue ich mich schwer, an das delikate Fleisch zu kommen.

Mein Fazit: Die Brühe hat mir sehr gut geschmeckt, die Languste auch. Aber ich glaube, gegrillt ist sie noch zarter und besser. Ich bereue keine Sekunde, die Spezialität probiert zu haben. Ein zweites Mal würde ich sie allerdings nicht bestellen – dafür ist der Preis dann doch zu hoch.

Für einmal gehen wir zum Essen in die andere Richtung, auf der Costa Mirador hinauf zum Restaurante Sa Lluna. Wir werden nett begrüsst und neben dem Pool platziert. Die Karte ist riesig. Das kann unmöglich alles frisch sein, aber die Bewertungen sind gut – wir sind gespannt.

Die Bestellung, je ein Dreigang-Menü, können wir recht schnell aufgeben. Doch von da an warten wir. Und warten. Und warten.

Endlich kommen die Vorspeisen: Meine Süsskartoffel-Pommes-frites mit Trüffelmayonnaise sind knusprig und hervorragend gewürzt. Reiners Salat mit Poulet mag ich nicht, ihm schmeckt er.

Der Himmel verdunkelt sich. Wir warten weiter – und nun fängt es an zu tröpfeln. Einzelne grosse Tropfen fallen auf unsere Köpfe. Mit einem Sonnenschirm wird der riesige Fernseher geschützt, ein Paar mit einem Kleinkind flüchtet ins Innere des Restaurants und für ein anderes Paar, ebenfalls mit Kleinkind, wird ein Sonnenschirm aufgespannt.

Bevor ich so richtig in Panik ausbrechen kann, hört es auf zu regnen. Wir warten weiter auf unsere Hauptspeisen, während die Gäste um uns herum längst bedient werden und einige sogar schon bezahlt haben und das Lokal verlassen.

Als unsere Hauptspeisen endlich kommen, sind wir zufrieden. Besonders Reiner: Sein Pouletschenkel fällt förmlich vom Knochen und badet in einer köstlichen Sauce.

Nun noch das Dessert. Glace für Reiner, Flan für mich. Aber warum kommt das nicht? Schliesslich fragt die Bedienung, ob wir die Hauptspeise schon erhalten hätten, und ist sichtlich erleichtert, als wir das bejahen. Mir geht es inzwischen definitiv zu lange, ich werde ungeduldig.

Drei Stunden nach unserer Ankunft verlassen wir das Lokal mit gemischten Gefühlen. Das Essen war gut, aber die Wartezeiten waren einfach zu lang.

Etwas versteckt zwischen den Häusern liegt das Bona Vida Menorca – Restaurant & Lounge Bar. Zuerst will ich mich gar nicht hinsetzen, weil es aussieht, als könne man hier nur etwas trinken. Dann entdecke ich die gedeckten Tische. Wir sind bloss für spanische Verhältnisse etwas zu früh dran.

Ich habe Lust auf Teigwaren und bestelle deshalb ausnahmsweise Tagliatelle frutti di mare. Reiner wählt Tagliatelle Mar & Terra. Naja, wir sind halt nicht in Italien, da muss man Abstriche machen. Die Sauce bei Reiners Nudeln ist allerdings sehr gut: asiatisch angehaucht, sehr intensiv – mit der Zeit fast etwas zu intensiv.

Auf dem Platz spielt ein Mann Saxophon. Leider bekommt er viel zu wenig Applaus für seine wundervollen Töne.

Mejillones de Menorca a la plancha (Alaska)

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Can Toni

Paella de marisco (Can Toni)
Paella de marisco (Can Toni)
Paella de marisco (Can Toni)

Paella de marisco (Can Toni)

Pescado del dia - Wolfsbarsch (Cala Mitjana)

Pescado del dia - Wolfsbarsch (Cala Mitjana)

Pescado del dia - Wolfsbarsch (Cala Mitjana)

Tarta de queso de Mahón (Cala Mitjana)

Arroz negro (Can Toni)

Sa Lluna

Warten auf die Caldereta (Cala Mitjana)

Caldereta de langosto de Menorca (Cala Mitjana)

Caldereta de langosto de Menorca (Cala Mitjana)

Sangría de cava (Can Toni)

Bacalao Con crosta de frutos secos (Can Toni)

 

 

 

 

 

 


von hitze, hürden und historischen steinen

Wie eingangs beschrieben, lassen wir das Auto mehrheitlich stehen. Gestern Abend haben wir es für heute um 10:30 Uhr bestellt. Wir warten draussen, aber es kommt nicht.

Ein Mitarbeiter, der aussieht, als wäre er für das Valet Parking zuständig, stellt sein Auto auf dem kleinen Parkplatz vor dem Hotel ab, geht hinein, kommt wieder heraus und fährt mit einem E-Trottinett davon. Wir fragen bei der Rezeption nach unserem Auto.

„Drei Minuten“, bekommen wir zur Antwort.

Also begeben wir uns wieder nach draussen. Tatsächlich kommt kurz darauf der Mann von vorhin mit unserem Fiat angefahren. Er lädt sein E-Trottinett aus und übergibt uns total verschwitzt den Schlüssel.

Unser erstes Ziel ist der Monte Toro. Mehrere Parkplätze sind frei – zumindest die in der Sonne. Die Schattenplätze sind begehrter. Es ist sehr heiss, und schon das Laufen unter der Sonne strengt an.

Etwas kühler ist es im Santuari Monestir del Toro und im Restaurant, wo wir uns erfrischen, bevor wir nach Es Mercadal fahren. Reiner parkiert, aber wir steigen nicht einmal aus. Uns fehlt schlicht die Lust, bei dieser Hitze das Städtchen zu erkunden.

Aussicht vom Monte Toro

Aussicht vom Monte Toro

Aussicht vom Monte Toro

Aussicht vom Monte Toro

Monte Toro

Traditioneller Zaun aus Olivenholz (Monte Toro)

Christus-Erlöser-Statue (Monte Toro)

Christus-Erlöser-Statue (Monte Toro)

Santuari Monestir del Toro

Sa Posada del Toro

Sa Posada del Toro

Christus-Erlöser-Statue (Monte Toro)

 

 

 

 

Anders beim Cap de Favàritx. Das Thermometer zeigt 37 Grad, gefühlt 41. Trotzdem steigen wir aus. Wir wissen, dass wir zum Leuchtturm laufen müssen, aber zwei Kilometer? Wir marschieren los. Nach einem halben Kilometer stelle ich fest, dass ich den Hinweg zwar noch schaffen sollte, den Rückweg aber wohl nicht mehr. Die Sonne knallt einfach zu heftig. Also kehren wir zum klimatisierten Auto zurück und fahren nach Fornells, der Heimat der Langustenfischer.

Die Parkplatzsuche gestaltet sich etwas schwieriger, aber wir werden fündig. Ein furchtbarer Durst plagt uns. Den möchten wir in einem der zahlreichen Restaurants stillen, doch solo para beber – nur zum Trinken – ist nicht. Wir müssten comer, also essen, und das möchten wir nicht. Das Frühstück ist schliesslich noch nicht lange her.

In einem Imbiss erbarmt sich schliesslich jemand und meint, wir dürften selbstverständlich bloss etwas trinken. Wir bestellen einen eisgekühlten Softdrink. Noch einen. Und schwitzen vor uns hin. Doch nicht nur wir sind klatschnass, auch die anderen Gäste kämpfen mit den Temperaturen.

So macht Sightseeing keinen Spass.

Trotzdem wollen wir wenigstens eine der vielen historischen Stätten besichtigen und geben „Torrellafuda“ ins Navi ein. Auf dem leeren Parkplatz stellen wir das Auto unter einem grossen Baum ab und machen uns auf den Weg zur ehemaligen talayotischen Siedlung.

Ihr Beginn wird auf etwa 1000 bis 700 Jahre vor Christus geschätzt. In den 1960er-Jahren wurde sie teilweise ausgegraben. Forschungen ergaben, dass Torrellafuda zuletzt im 1. Jahrhundert nach Christus bewohnt war.

Als Erstes kommen wir zu einem grossen Talayot, einem Beobachtungsturm. Der kegelstumpfförmige Turm wurde in Zyklopen-Technik errichtet und könnte neben seiner Funktion als Wachturm und zur Kommunikation mit den Nachbarsiedlungen auch als Getreidespeicher gedient haben.

Besonders faszinierend finde ich die Überreste des Taula-Heiligtums und einen kleinen, perfekt erhaltenen Wandpfeiler. Die Ureinwohner meisselten damals eine präzise Vertiefung in den horizontalen Deckstein, sodass dieser auch nach fast drei Jahrtausenden noch bombenfest und wie angegossen auf seiner Steinsäule ruht. Ein echtes Meisterwerk antiker Handwerkskunst.

Wir verlassen das Gelände tief beeindruckt. Während der Rückfahrt in die Touristenhotspots denken wir darüber nach, was für eine unglaubliche Geschichte diese Insel hat.

Unser Fiat 600 im Schatten (Torrellafuda)
Traditionelles Tor aus Olivenholz (Torrellafuda)
Traditionelles Tor aus Olivenholz (Torrellafuda)
Der grosse Talayot (Torrellafuda)
Pfeiler mit Kapitell im Taula Heiligtum (Torrellafuda)
Pfeiler mit Kapitell im Taula Heiligtum (Torrellafuda)
Pfeiler mit Kapitell im Taula Heiligtum (Torrellafuda)
Torrellafuda
Torrellafuda
Torrellafuda
Torrellafuda
Pfeiler mit Kapitell im Taula Heiligtum (Torrellafuda)

Pfeiler mit Kapitell im Taula Heiligtum (Torrellafuda)

Torrellafuda

Torrellafuda

 


warten auf die totale

Es ist Mittwoch, der 12. August. Der Tag der Tage ist da.

Das Auto ist für 10:00 Uhr bestellt und steht bereits da, als wir kurz davor an der Rezeption nach dem Schlüssel fragen. Vorher recherchiere ich nochmals gründlich nach den Parkiermöglichkeiten beim Far d’Artrutx. Reiner lässt sich bereits die ganze Woche behördliche Aktualisierungen von der KI schicken. Was für Möglichkeiten wir heutzutage haben!

Die Verkehrssituation wird voraussichtlich schwierig werden, Strassensperren sind geplant. Das ist kein Grund zur Panik, damit rechnen wir schliesslich schon seit Beginn unserer Idee, die Sonnenfinsternis zu betrachten.

Was mir allerdings einen kleinen Dämpfer verpasst: Der Passeig Marítim, den wir uns zum Parkieren ausgesucht haben, soll komplett für den Verkehr gesperrt, zur Fussgängerzone umfunktioniert und das Parkieren untersagt werden. Damit fällt unser Plan ins Wasser.

Die KI hat aber sofort eine Lösung parat: Entweder nach Cala Blanca und dort zwischen den Wohnhäusern parkieren oder nach Platja de Son Bou, wo es einen grossen Parkplatz geben soll. Im Nachhinein erfahre ich, dass 18'000 Menschen von diesem Strand aus das Spektakel beobachten. Umso froher bin ich, dass wir uns für Cala Blanca entschieden haben.

Wir fahren also Punkt 10:00 Uhr los, nachdem wir nicht nur den Autoschlüssel, sondern auch zwei Sonnenschirme bei der Rezeption abgeholt haben. Vermutlich haben Gäste sie bei ihrer Abreise zurückgelassen.

Das Glück ist uns hold: Direkt neben dem Mirador Cala Blanca gibt es eine Parklücke, wie für unsere Pelotilla geschaffen. Für die nächsten Stunden wird sie dort stehen bleiben. Im Kofferraum liegen die Sonnenschirme, das Stativ und das 50–500-mm-Objektiv, sicher in seiner Schutzhülle verpackt und mit einem hellen Tuch abgedeckt, damit das wertvolle Teil vor der Hitze geschützt ist.

Jetzt heisst es, Zeit totzuschlagen und der Sonne zu trotzen – der Sonne, wegen der wir überhaupt hier sind.

Wir setzen uns auf Treppenstufen im Schatten, schlendern durch den Supermercado Julia, kehren für ein paar Softdrinks im «Blarney Stone – S’irlandès» ein und geniessen den herrlichen Blick auf Mallorca und das Festland.

Am Morgen haben wir extra etwas Platz im Magen gelassen, um ihn mit ein paar Tapas zu füllen und so ein weiteres Weilchen zu überbrücken. Das passende Restaurant haben wir auch schon gefunden. Doch die Tür ist zu: Wegen der Sonnenfinsternis verlegen sie den Ruhetag von Dienstag auf Mittwoch.

Na denn. Dann hat das Restaurante Jenny’s etwas Leckeres für uns.

Den Rest des Nachmittags verbringen wir erneut im Blarney Stone, direkt beim Mirador del Sol. Als wir uns setzen, werden die freien Tische mit «Reserviert»-Schildern bestückt. Bei dieser Aussicht direkt Richtung Sonnenuntergang wundert mich das nicht. Niemand sagt, dass wir gehen müssen. Als uns jedoch ganz dezent die Rechnung gebracht wird, verstehen wir den höflichen Rausschmiss und verlassen die Location.

Beim Mirador del Sol ist noch nicht viel los. Ich setze mich auf eine Bank, während Reiner zum Auto geht und schaut, ob die Bänke dort noch frei sind.

Sind sie nicht.

Jemand hat Handtücher daraufgelegt und mit Steinen beschwert.

Bestimmt Deutsche!

Vorweggenommen: Diese «Deutschen» sprechen Englisch.

Also kehrt Reiner mit einem Sonnenschirm zu mir zurück. Wir legen unsere Sitzkissen auf das heisse Mäuerchen, das den Abschluss der Aussichtsplattform bildet, spannen den Schirm auf und setzen uns bequem hin. Mit Warten haben wir inzwischen Erfahrung.

Nach und nach trudeln immer mehr Leute ein. Viele sind mit Stühlen bewaffnet und wagen sich weit hinaus auf die schroffen Steine. Uns ist es auf unserem Mäuerchen wohl.

Reiner holt Objektiv und Stativ, stellt gemütlich das Stativ auf, verhüllt die Sonnenblende des Objektivs, das schön kühl geblieben ist, mit der Schutzfolie, montiert Objektiv und Kamera auf dem Stativ und richtet alles so ein, dass er die Kamera mit dem Handy steuern kann. Ich mache derweil ein paar Aufnahmen mit meinem Handy und der GoPro.

Die Stimmung ist friedlich. Einige haben Pizza mitgebracht, die Polizeipräsenz ist minimal.

Ich kann es kaum erwarten, dass der Mond sich über die Sonne schiebt. Immer wieder setze ich die Sonnenfinsternisbrille auf, um zu prüfen, ob der Sonne schon eine Ecke fehlt.

Da! Endlich beginnt das Spektakel.

Am Anfang ist noch nicht viel zu sehen, aber je weiter die Überlappung fortschreitet, desto magischer wird die Lichtstimmung. Rundherum schauen die Leute mit ihren Brillen in dieselbe Richtung.

Bilde ich es mir ein, oder wird es tatsächlich kühler?

In dem Moment, in dem der Mond die Sonne komplett verdeckt, bricht Jubel aus und die Leute klatschen. Es ist dunkel wie in der Nacht. Man sieht bloss Silhouetten und Handybildschirme.

Ich warte auf die Corona. Bei einer ringförmigen Sonnenfinsternis gibt es sie nicht, und auf diesen Moment habe ich mich am meisten gefreut. Doch ein paar Schleierwolken trüben den ganz grossen Augenblick etwas.

Einmalig und unbeschreiblich ist dieser kurze Moment allemal. Und ich möchte um nichts in der Welt darauf verzichten. Dafür war es wert, in der Hochsaison zu verreisen, das Meer, den Pool und die Restaurants mit vielen anderen Touristen zu teilen, auf Besichtigungen wegen Parkplatzproblemen und Hitze zu verzichten.

Ich würde jederzeit wieder hierherfahren, um genau diesen Moment zu erleben.

Aber halt! Es ist noch nicht zu Ende.

Auch wenn einige Leute bereits den Ort verlassen, beginnt es für mich erst so richtig spannend zu werden. Wird es wieder hell, wenn die Sonne zum Vorschein kommt, oder fängt die Dämmerung an, weil der Sonnenuntergang beginnt?

Wie bei einem normalen Sonnenuntergang mit leichten Schleierwolken am Horizont verfärbt sich der Himmel orange.

Nein. Es ist kein normaler Sonnenuntergang.

Das Licht ist fahl. Der Kontrast zwischen dem orange-roten, leicht von Schleierwolken überzogenen Himmel und dem türkisfarbenen Meer, das ebenfalls wie hinter einem Schleier wirkt, ist unglaublich. Und dann die Sonne, die als glühende Sichel im Meer versinkt.

Sowas gibt es nur einmal. Und nie wieder.

Als das letzte Zipfelchen der Sonne verschwindet, brandet nochmals Applaus auf. Die Leute stürmen die Restaurants und wir machen uns auf einen gewaltigen Stau gefasst.

Doch ganz so schlimm wird es nicht.

Es herrscht zwar reger Verkehr bei der Rückfahrt, aber aus unserer Richtung gibt es keinerlei Verkehrsbehinderungen.

Völlig euphorisch habe ich für die nächsten Stunden und den nächsten Tag kein anderes Thema mehr als dieses Erlebnis.

Was für ein Glück, dass ich bereits in einem Jahr wieder eine Sonnenfinsternis miterleben darf – diesmal in unserem geliebten andalusischen Städtchen Cádiz.

Und wenn das immer noch nicht genug ist, können wir im November 2030 nach Namibia und …

Das Fernsehen ist auch da (Cala Blanca)

Blick auf Mallorca (Cala Blanca)

Die Sonne brennt (Cala Blanca)

Warten auf die Sonnenfinsternis (Cala Blanca)

Warten auf die Sonnenfinsternis (Cala Blanca)

Warten auf die Sonnenfinsternis (Cala Blanca)

Beginn der Sonnenfinsternis (Cala Blanca)

Mirador del Sol (Cala Blanca)

Mirador del Sol (Cala Blanca)
Beginn der Sonnenfinsternis (Cala Blanca)
Beginn der Sonnenfinsternis (Cala Blanca)
Sonne im Kameradisplay (Cala Blanca)
Der Himmel verdunkelt sich (Cala Blanca)
Totalität nähert sich (Cala Blanca)
Totalität hinter Schleierwolken (Cala Blanca)
Nach Totalität (Cala Blanca)
Sonnenuntergang nach Finsternis (Cala Blanca)
Sonnenuntergang nach Finsternis (Cala Blanca)
Sonnenuntergang nach Finsternis (Cala Blanca)
Sonnenuntergang nach Finsternis (Cala Blanca)
Sonnenuntergang nach Finsternis (Cala Blanca)

Sonnenuntergang nach Finsternis (Cala Blanca)

Sonnenuntergang nach Finsternis (Cala Blanca)

Phasen der Sonnenfinsternis (Cala Blanca)

von der festung zum burger king

Nach zwölf Tagen heisst es Abschied nehmen von Cala Galdana. Um 10:00 Uhr checken wir im ARTIEM Audax aus, verstauen unser Gepäck im Fiat und machen uns auf den Weg nach Mahón.

Unser nächstes Zuhause ist das Boutique Hotel Sant Roc mitten in der Altstadt. Im Vorfeld habe ich angefragt, ob wir unser Gepäck schon vor dem Check-in deponieren dürfen. Die Antwort kommt prompt und freundlich: Selbstverständlich können wir die Koffer vorbeibringen, und falls unser Zimmer schon fertig sei, dürften wir sogar gleich einziehen.

Als wir kurz vor 11:00 Uhr vor dem Hotel stehen, ist das Zimmer natürlich noch nicht bereit. Für das Ausladen dürfen wir uns kurz auf den Umschlagplatz vor dem Hotel stellen. Ein freundlicher Rezeptionist nimmt unser Gepäck entgegen und erklärt uns, dass wir eine WhatsApp-Nachricht bekommen, sobald das Zimmer bezugsbereit ist. Perfekt. So können wir die Koffer hierlassen und mit der leeren Pelotilla weiterfahren.

Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg zur Fortaleza La Mola, der gewaltigen Festungsanlage am Eingang zur Hafenbucht von Mahón.

Schon bei der Ankunft ist klar: Heute wird es heiss. Sehr heiss. Wir haben Wasser dabei und trinken regelmässig. Trotzdem begleitet uns ständig dieses Gefühl, eigentlich noch mehr trinken zu müssen. Die Wege durch die riesige Anlage tun ihr Übriges.

Die Fortaleza La Mola, auch Fortalesa de la Mola oder Festung Isabella II. genannt, beeindruckt nicht nur durch ihre Ausmasse. Besonders faszinierend finde ich die unterirdischen Gänge. Kühl und dunkel führen sie tief ins Innere der Festung – eine willkommene Abwechslung zur erbarmungslosen Sonne.

Beim letzten Gang allerdings schwindet meine Begeisterung etwas. Vor uns läuft ein Paar. Es verschwindet nach gefühlten Stunden irgendwo in der Dunkelheit. Der Gang muss also tatsächlich irgendwo enden.

Wir laufen weiter.

Und weiter.

Irgendwann biegt der Gang ab und geht einfach weiter. Am Ende dieses Tunnels wartet eine lange Treppe auf uns, die wieder direkt in die Nachmittagshitze führt. Die Entscheidung ist gefallen, es reicht!

Die Ausblicke entschädigen uns allerdings immer wieder für die Anstrengung. Von der Festung aus öffnet sich der Blick über das Meer und die Hafeneinfahrt von Mahón. Trotz Hitze, Durst und einer inzwischen schmerzenden Blase an meiner Ferse ist der Besuch beeindruckend.

Fortalesa de Isabel II (Maó)

"La Pedra i el Llibre. Utopies 2" von Joan Bennàssar (Fortalesa Isabell II)

El Hornabeque (Fortalesa Isabel II)

Galeria Aspillerada (Fortalesa de Isabel II)

Galeria Aspillerada (Fortalesa de Isabel II)

Carro Trinquival (Fortalesa de Isabel II)

"La Pedra i el Llibre. Utopies 2" von Joan Bennàssar (Fortalesa Isabell II)

Fortalesa de Isabel II (Maó)

Galerías subterráneas (Fortalesa de Isabel II)

Galerías subterráneas (Fortalesa de Isabel II)

Galerías subterráneas (Fortalesa de Isabel II)

"La Pedra i el Llibre. Utopies 2" von Joan Bennàssar (Fortalesa Isabell II)

Blick auf das Hornwerk-Theater von La Mola, das Fort Sant Filipet und die Hafeneinfahrt von Maó (Fortalesa de Isabel II)

Blick über die schmale Bucht Es Clot auf die historische Quarantäne-Insel Lazareto (Fortalesa de Isabel II)

Blick auf die Häuserzeilen von Es Castell (Fortalesa de Isabel II)

Blick auf Cala Teulera und die umliegende Befestigungslinie (Fortalesa de Isabel II)

Westliche Logistik- und Schutzbauten der inneren Linien (Fortalesa de Isabel II)

Blick auf den Torre de Sant Felipe und die Überreste des Castillo de San Felipe (Fortalesa de Isabel II)

Galería Aspillerada (Fortalesa de Isabel II)

Galería Aspillerada (Fortalesa de Isabel II)

 

 

 

 

Irgendwann haben wir genug gesehen und vor allem genug Sonne abbekommen. Wir fahren zurück zum Flughafen und geben unser Auto beim Car Rental ab.

Ein bisschen Wehmut ist schon dabei. Unser kleiner weisser Fiat hat uns zwar nicht besonders oft durch die Gegend kutschiert, aber ich habe das Kügelchen trotzdem liebgewonnen. Nun ist es wieder weg und wir sind für den Rest unseres Aufenthalts auf unsere eigenen Füsse und den öffentlichen Verkehr angewiesen. In Mahón ist das allerdings kein Problem – hier bin ich ganz froh, kein Auto mehr zu haben.

Vom Flughafen fahren wir mit dem Bus zurück nach Mahón. Unser Gepäck wartet im Hotel, wir sind inzwischen vor allem eines: durstig.

Unsere Wasserflaschen haben sich erstaunlich gut gehalten und sind noch schön kühl. Trotzdem sehnen wir uns nach etwas mit Kohlensäure und Geschmack, aber Restaurants und Cafés sind geschlossen. Und so landen wir im Burger King.

Nicht zum Essen. Nur für zwei Softdrinks.

Ich schäme mich ein bisschen. Wir sind wirklich nicht die Leute, die im Urlaub freiwillig bei Burger King einkehren. Schon gar nicht auf Menorca.

Während Reiner auf unsere Getränke wartet, setze ich mich an einen Tisch. Ein Mann ist gerade aufgestanden und schaut mich mit einem breiten Grinsen an.

Moment mal ...

Das ist doch unser Rezeptionist!

Er war bereits hier, als wir ankamen, und verabschiedet sich nun nach einem kurzen Wortwechsel von einem Mitarbeiter, den er offenbar kennt. Dann verlässt er den Burger King.

Na bravo.

Jetzt gehen wir tatsächlich einmal zum Burger King – und ausgerechnet der Mann, der uns heute Morgen im Hotel so freundlich empfangen hat, ertappt uns dabei. Peinlich!

Aber wenigstens haben wir eine gute Ausrede: Wir wollten wirklich nur etwas trinken.

bunt, bunter, can xavi

Beim Hotel angekommen, sehen wir, dass das gegenüberliegende Café geöffnet hat und bestimmt bessere Getränke gehabt hätte. Sei’s drum. Wir checken erst einmal endgültig ein. Diesmal ist eine Frau an der Rezeption, nicht minder herzlich als der Mann am Morgen. Als wir ihr erzählen, dass wir bereits übermorgen um sieben zum Flughafen fahren wollen, um den Flieger um 09:50 Uhr zu erreichen, findet sie das übertrieben früh. Der Flughafen sei klein und der Weg kurz. Wir einigen uns auf ein Taxi um 07:30 Uhr. Und als kleine Entschädigung für das zweite Frühstück zieht sie dieses kurzerhand von unserer Rechnung ab.

Unser Zimmer liegt im Nebengebäude und ist klimatisiert. Eine Regendusche ist genau das, was ich jetzt brauche. Danach fühle ich mich wieder wie ein Mensch.

Nur wenige Schritte vom Hotel entfernt liegt das Can Xavi. Das Restaurant bietet eine bunte Mischung aus Tapas und anderen Gerichten. Und wenn ich bunt sage, meine ich bunt – und das nicht nur auf der Speisekarte.

Schon beim Eintreten fühle ich mich wohl. Xavi steht hinter der Theke, lächelt uns freundlich an und als ich nach einem Tisch für zwei frage, bietet er uns den am Fenster an. So einen herzlichen Mann habe ich selten erlebt. Und plötzlich finde ich sogar die durchnummerierten, laminierten Speisekarten mit ihren bunten Bildchen hübsch.

Auch die Tische sind bunt: Tischsets und Servietten in kräftigen Farben, jedes Set und jede Serviette in einer anderen Farbe. Die Bedienung ist nicht weniger nett als ihr Chef. Man merkt sofort, dass hier ein eingespieltes Team am Werk ist.

Ich frage nach den Spezialitäten des Hauses. Die sind auf einer eigenen Karte zusammengefasst – und wir werden fündig. Wir bestellen Brot mit Sobrasada und Käse, gefüllte Auberginen, eine Schinken- und Käseplatte, Champignon-Kroketten und Boquerones en vinagre. Noch ein Pan con tomate dazu? Klar!

Und als ob das nicht schon genug wäre, gönnt sich Reiner noch seine geliebte Tarta de queso de Mahón und ich einen Flan.

Die Desserts sind die besten, die wir auf der Insel gegessen haben. Die Tapas halten locker mit denen aus dem Alaska mit. Aber eigentlich geht es um mehr als das Essen.

Die Herzlichkeit, das Ambiente, die Enge, das Bunte – all das passt hier einfach zusammen. Wir fühlen uns vom ersten Moment an wohl. Und mir gefällt es hier unglaublich gut.

Can Xavi (Maó)

Can Xavi (Maó)

 

 

 

 

 

 

der letzte tag

Ich schlafe schlecht. Die Klimaanlage ist mir zu kühl eingestellt und springt jedes Mal wieder auf die ursprüngliche Temperatur zurück, wenn ich sie verstelle. Mir fehlt der Balkon, auf den ich mich morgens einfach setzen kann.

Dafür entschädigt das Frühstück für einiges. Es ist so liebevoll aufgebaut, dass ich schon beim Essen bedaure, dass wir morgen keine Zeit mehr dafür haben werden.

Heute nehmen wir es gemütlich. Wir machen einen kleinen Stadtbummel und besichtigen die Església de Santa Maria. Die grosse Orgel gefällt mir sehr gut. Weniger gut gefällt mir die Frau, die am Eingang das Eintrittsgeld kassiert und dabei lautstark telefoniert. Eine Kirche ist für mich normalerweise ein Ort der Stille.

Danach lassen wir uns einfach treiben. Ein paar Schritte gehen, hinsetzen, Leute beobachten. Wieder ein paar Schritte gehen, zum Mirador, die Aussicht geniessen, hinsetzen, ein Glace schlecken.

Im Mercat des Peix hätte ich zu gerne die kleinen Müschelchen probiert oder einer der Tausenden von Pinchos, die dort angeboten werden. Aber ich habe noch keinen Hunger. Und wenn wir in zwei Stunden zurückkommen, gibt es vermutlich keinen Platz mehr.

Pont de Sant Roc (Maó)

"Poc a Poc" Lebensmotto der Menorquiner (Maó)

Ajuntament de Maó

Església de Santa Maria (Maó)

Església de Santa Maria (Maó)

Església de Santa Maria (Maó)

Església de Santa Maria (Maó)

Orgel in der Església de Santa Maria (Maó)

Església de Santa Maria (Maó)

Església de Santa Maria (Maó)

Ajuntament de Maó

Blick vom Mirador del Pont des Castell auf den Ascensor de Maó

Voltes de la Costa General (Maó)

Avarcas (typische Menorca-Sandalen) als Schlüsselanhänger (Maó)

Historische Altstadt-Silhouette von Maó mit der Església de Santa Maria de Maó und der Casa Mir (Maó)

Historische Altstadt-Silhouette von Maó mit der Església de Santa Maria de Maó

Cafe Baixamar (Maó)

Voltes de la Costa General (Maó)

 

 

 

 

 

 

Mit dem Ascensor de Maó fahren wir vom Mirador de Maó hinunter zur Costa ses Voltes und spazieren am Hafen entlang westwärts. Im Cafe Baixamar essen wir eine Kleinigkeit, bevor es weiter zu Xoriguer geht.

Dort haben wir eine Führung durch die Gin-Destillerie gebucht.

Eine Frau empfängt uns und erzählt uns zunächst in gut verständlichem Englisch und mit einer gehörigen Portion Euphorie die Geschichte der Destillerie. Anschliessend führt sie uns durch die Brennerei.

Hier brennt ein einziger Mann den Gin. Und das in beeindruckenden Mengen: Bis zu 1600 Liter können hier pro Tag hergestellt werden.

Die ohnehin schon sommerlichen Temperaturen werden in der Brennerei noch einmal deutlich übertroffen. Die warmen Öfen sorgen dafür, dass uns die Hitze ordentlich zusetzt. Zum Glück bekommen wir Fächer in die Hand. Sie erweisen sich schon bald als ausgesprochen nützliches Hilfsmittel.

Durch eine grosse Verglasung können Besucher direkt in die Brennerei schauen. Ein Kind steht davor und schaut sehnsüchtig zu uns herüber. Verständlich, denn für die Führung muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Wir geniessen unseren kleinen Altersvorsprung und verschwinden wieder in den etwas kühleren Nebenraum.

Im Nebenraum ist es zwar angenehmer als draussen, richtig kühl ist es aber auch hier nicht. Dafür sind die verschiedenen Produkte bereits auf 12 Grad heruntergekühlt. Flasche für Flasche erklärt uns unsere Führerin, was sich darin befindet. Wir beginnen mit dem Original-Gin, machen einen Abstecher zum Bio-Gin und arbeiten uns durch weitere Gin-Spezialitäten bis zu den verschiedenen Likören. Natürlich darf auch der für Menorca typische Pomada nicht fehlen.

Den kann man übrigens ganz einfach selbst machen: ein Teil Gin und drei Teile Zitronenlimonade – also Zitronensaft, Zucker und Wasser.

Bei diesen Temperaturen ist die eisgekühlte Variante allerdings eindeutig die bessere Idee. Deshalb bringt unsere Gastgeberin einen Krug Pomada-Slush. Allein beim Anblick wird uns schon etwas kühler.

Und dann geht es ans Probieren. Wir dürfen uns durch das gesamte Sortiment kosten, so viel wir wollen. Dazu gibt es Wurst, Käse und Kekse.

Nach der schweisstreibenden Führung durch die Brennerei ist das eine ziemlich überzeugende Kombination: kühle Getränke, etwas zu essen und vor allem die Gewissheit, dass wir die 12 Grad leider nicht mit nach draussen nehmen können.

Mit einer Flasche des Original Xoriguer und einem Likör im Gepäck verabschieden wir uns von den Österreichern und machen uns an den anstrengenden Aufstieg zurück in die Stadt.

Xoriguer-Produkte (Maó)

Wacholder (Xoriguer, Maó)

Historische Gin-Flaschen (Xoriguer, Maó)

Familie von Miguel Pons Justo (Xoriguer, Maó)

Alambique aus dem 18. Jh. (Xoriguer, Maó)

Caneca / Caneco - Auffangkrüge (Xoriguer, Maó)

Alambique aus dem 18. Jh. (Xoriguer, Maó)

 

adiós, menorca

Im kühlen Hotelzimmer lassen wir den Tag ausklingen. Morgen früh heisst es Abschied nehmen. Um halb acht soll uns das Taxi zum Flughafen bringen.

Wir packen unsere Koffer und machen es uns noch einmal gemütlich. Viel gibt es nicht mehr zu tun – ausser vielleicht, die letzten Stunden Klimaanlage zu geniessen.

Am nächsten Morgen bringt uns das Taxi pünktlich zum Flughafen. Der kleine Flughafen von Menorca ist tatsächlich schnell erreicht – die Rezeptionistin hatte recht. Nach nicht einmal zwei Stunden landen wir wieder in Basel.

Hier hat sich nichts verändert: Noch immer wird im Nachbarhaus gebaut, noch immer ist es heiss, noch immer gibt es keinen Regen.

Letzteres wird sich allerdings bald ändern – und das ist gut so.

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